Fundregelsysteme
im Vergleich
Abstract: Ein jüngst
durch die Medien gegangenes Urteil wegen Fundunterschlagung aus dem englischen
Herefordshire hat einiges Aufsehen in der archäologischen Fachwelt und
Metallsuchergemeinschaft erregt, nicht zuletzt weil der Haupttäter zu 10 Jahren
Haft verurteilt wurde. Dies ist mit dem im deutschen Sprachraum weit
verbreiteten Missverständnis unvereinbar, dass das englische und walisische
System der archäologischen Fundregelung, besonders im Vergleich zu
deutschsprachigen Systemen, ganz besonders liberal und generell ineffektiv sei.
In diesem Beitrag vergleiche ich das englische und walisische archäologische
Fundregelungssystem mit seinen deutschen und österreichischen Gegenstücken und
zeige, dass der relevante Unterschied zwischen diesen verschiedenen Systemen
nicht in ihrer relativen Liberalität bzw. Restriktivität liegt, sondern darin,
dass das englische und walisische System einen pragmatischen Zugang zur Materie
genommen hat, während die deutschen und österreichischen Systeme einen
idealistischen, aber vollkommen unrealistischen Zugang nehmen. Folge davon ist
nicht nur, dass das englische und walisische System den deutschen und
österreichischen in Hinblick auf die Anzahl der eingehenden Fundmeldungen
extrem weit voraus ist, sondern auch deutlich effektiver in der Verhinderung
von Schäden an geschützten unbeweglichen archäologischen Denkmalen und bei der
Bestrafung der Unterschlagung meldepflichtiger und einem staatlichen
Schatzregal unterliegender geschützter beweglicher archäologischer Denkmale.
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